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07.02.2002

+++ System Alliance, offen für neue Partner. Aktuelle Publikation DVZ vom 08. Februar 2002+++


Geschäftsführer Detlef Kükenshöner zieht nach einem Jahr der Fusion von „System-Gut“ und „Fortras eine positive Bilanz

DVZ, von Frank Schnell, 7. Februar 2002

Aus den Spediteurkooperationen „System Gut“ und „Fortras“ ist der Verbund „System Alliance“ entstanden. Seit dem 1. Januar 2001 arbeitet man auch operativ zusammen. Die DVZ sprach mit Geschäftsführer Detlef Kükenshöner in der „System Alliance“-Zentrale in Niederaula über die in der Zusammenarbeit bisher gesammelten Erfahrungen und die Zukunftspläne von „System Alliance“.

DVZ: Herr Kükenshöner, was hat der Zusammenschluss zur "System Alliance" gebracht?
Kükenshöner: Zielsetzung der "System Alliance" war es, das Beste aus beiden
Systemen in einer neuen Allianz zusammenzuführen und damit die Synergieeffekte aus der Zusammenlegung der operativen Einheiten und den Hauptläufen zu heben, darüber hinaus aber auch eine neue Struktur der Zusammenarbeit zu installieren. So gibt es üblicherweise in Kooperationen nur die Zentrale auf der einen und den Betrieb auf der anderen Seite. Bei "System Alliance" ist jedoch die Region zwischengeschaltet, die in der Regel aus unterschiedlichen Gesellschafterbetreiben besteht und in hohem Maße für die operativen und qualitativen Strukturen verantwortlich zeichnet. Rückblickend auf das erste Jahr können wir nun sagen, dass sich diese Strukturen bewährt haben und auch zu einer sinnvollen Aufgaben- und Verantwortungsteilung führen.
DVZ: Welche Hauptprobleme gab es bei der Zusammenführung der beiden Systeme?
Kükenshöner: Dass es bei der Zusammenlegung zweier Systeme in dieser Größenordnung
trotz intensivster Vorbereitungen zu operativen Problemen in der Startphase kommt, ist meines Erachtens mehr als natürlich. Wenn wir jedoch nicht vom Hauptproblem, sondern von der größten Herausforderung reden, so ist sicherlich die Anpassung der dezentralen IT-Strukturen hier vorrangig zu nennen.
DVZ: Inwieweit profitieren Ihre Kunden von der neuen Allianz?
Kükenshöner: Der Kunde kann auf ein sehr großes Produktportfolio zugreifen, geprägt durch ein
starkes und sehr breit gefächertes Angebot im Premium-Segment, kann aber auch in fast allen anderen logistischen Fragen kompetent beraten werden. Ein starkes Netzwerk mit einer guten Informationslogistik gepaart mit der regionalen Ansprache des Kunden, ist in dieser Kombination sicherlich zukunftsträchtig.
DVZ: Ist "System Alliance" ein Closed Shop oder besteht die Möglichkeit für weitere Speditionen,
sich dieser Allianz anzuschließen?
Kükenshöner: "System Alliance" ist kein "Closed Shop-System". Unter der Zielsetzung, die
regionalen "Platzhirsche" in einem System zusammenzubinden, besteht die Möglichkeit - natürlich immer in enger Absprache und Einbindung des jeweiligen Systempartners - über den Eintritt neuer Partner zu verhandeln, wenn dies zu einer Stärkung des Netzwerkes führt.
DVZ: Einer Ihrer Partner, die Birkart Globistics, Aschaffenburg, ist jetzt von der Thiel AG übernommen
worden. Ein anderer, die SieFu in Langenfeld, hat Insolvenzantrag gestellt. Welche Konsequenzen haben diese Veränderungen für Ihr Netzwerk?
Kükenshöner: Seitens Birkart gibt es ein klares Signal, auch nach Übernahme Systempartner und
Gesellschafter der "System Alliance" zu bleiben. Lediglich im Großraum Aschaffenburg/Rhein-Main wird Birkart die Aktivitäten einstellen. Hier sind wir aber bereits in sehr erfolgversprechenden Gesprächen mit einem bedeutenden starken Speditionsunternehmen in diesem Gebiet. Bezüglich SieFu arbeiten wir zurzeit fast ohne Veränderungen weiter. Hier gibt es Signale, dass eine Übernahme durch einen Investor stattfinden kann und hier auch starkes Interesse an einer Einbindung in das "System Alliance"-Netzwerk besteht. Eine Gefährdung des Netzwerkes sehen wir daher nicht.
DVZ: Wie haben sich Ihre Geschäfte im Jahr 2001 im Vergleich zum Vorjahr entwickelt?
Kükenshöner: Im Jahre 2001 haben wir die angepeilten Systemmengen nicht ganz erreicht. Dieses
hat sehr unterschiedliche Gründe. Zum einen die vollzogene Veränderung der internen Verrechnungspreisstruktur und damit eine zwangsläufige Anpassung der Gutstruktur, aber auch die Auswirkungen der Konjunkturentwicklung in Deutschland.
DVZ: Welche Auswirkungen hatten dabei die Ereignisse des 11. Septembers?
Kükenshöner: Der 11. September hat die sich andeutende Konjunkturschwäche sicherlich drastisch beschleunigt. Konkretes Ergebnis war zum Beispiel ein deutlich flacheres Herbstgeschäft.
DVZ: Welche Planungen gibt es für das Jahr 2002?
Kükenshöner: Zum einen die bereits oben genannten Veränderungen im Netzwerk geräuschlos zu vollziehen, zum anderen natürlich, mit "System Alliance" jetzt aktiver an den Markt zu gehen und speziell im nationalen aber auch im internationalen Premium-Segment Vertriebsaktivitäten zu fokussieren. Wenn man noch weiter nach vorne blickt, kann man davon ausgehen, dass sich die Anzahl der Netzwerke, die es heute gibt, ob nun konzern- oder kooperationsgebunden, sich in den nächsten Jahren deutlich reduzieren wird. Zielsetzung ist es also, "System Alliance" als stabiles und dauerhaftes Netzwerk am Markt zu etablieren.
DVZ: Welchen Anteil hat bei "System Alliance" das internationale Geschäft?
Kükenshöner: Der internationale Bereich ist natürlich ein sehr großer und auch sehr wichtiger Bereich für die "System-Alliance"-Partner. Konkrete Aussagen über Mengenszenarien können wir nur treffen für den Bereich System Plus, das internationale Premium-Segment, in dem wir Partner sind. Hier wurden im Jahr 2001 zirka 700 000 Sendungen abgewickelt. Zielsetzung ist es, hier in einem überschaubaren Zeitraum 1 Mio. Sendungen zu bewegen. Die Mengen, die durch unsere Systempartner in deren individuellen internationalen Aktivitäten abgewickelt werden, sind nicht konkret bezifferbar, stellen jedoch sicherlich ein Vielfaches der System Plus-Mengen dar.
DVZ: In welchem Umfang decken Sie Europa ab?
Kükenshöner: Innerhalb der System Plus-Organisation wird Europa fast komplett abgedeckt. Folgend Länder sind angebunden: Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Türkei.
DVZ: Ist eine weitere Ausdehnung des Netzwerkes vorgesehen?
Kükenshöner: Zurzeit wird bei System Plus speziell über die weitere Anbindung osteuropäischer Länder verhandelt. Hier liegen konkrete Anfragen von Rumänien, Ungarn und der Slowakei vor, aber auch außereuropäische Relationen sind zurzeit in der Diskussion.
DVZ: Wie hoch ist die Fehlerquote bei Ihrem Next-Day-Service?
Kükenshöner: Wir haben eine Erfüllungsquote oberhalb von 98 Prozent.
DVZ: Wie haben sich Ihre Premium-Prdukte entwickelt?
Kükenshöner: Die Sendungszahlen in diesen Segmenten sind stabil. Zielsetzung ist es hier, vertriebsmäßig speziell in diesen Segmenten und auch unter Kopplung mit dem internationalen Premium-Segment die Aktivitäten zu forcieren.
DVZ: Gibt es eine Geld-zurück-Garantie, wenn Sie zum Beispiel beim SystemPlus-12-Uhr-Service Ihre Zusagen nicht einhalten können?
Kükenshöner: Eine generelle Kopplung mit einer Geld zurück-Garantie für Premium-Dienste gibt es zur Zeit noch nicht. Es sind aber bereits die Strukturen geschaffen worden, dass Betriebe dieses individuell mit ihrem Kunden vereinbaren können. Über die weite Entwicklung dieser "Geld zurück-Garantie" werden wir in unseren Produktentwicklungskreisen in diesem Jahr befinden.
DVZ: Die Vereinung der Sammelgutspediteure im BSL hat die Preise zum 1. Februar um 3,9 Prozent angehoben. Was hat "System Alliance" vor?
Kükenshöner: Generell sehen wir auch die zwingende Notwendigkeit einer Preiserhöhung, wobei wir die vom BSL ausgesprochene Empfehlung von 3,9 Prozent als deutlich zu niedrig ansehen. Intention unsrer Gesellschafter ist es, hier Preiserhöhungen im Bereich von fünf bis sechs Prozent umzusetzen.
DVZ: Herr Kükenshöner, vielen Dank für das Gespräch.

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