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31.05.2005

HUB-Verkehr versus Direktverkehr – Was rechnet sich im Zeitalter der Maut?


von Georg Köhler*
Hohe Kraftstoffpreise und die Einführung der Maut haben die Transportkosten erheblich gesteigert. Statt ein Zentrallager zu unterhalten, wird bei zahlreichen Handels- und Industrieunternehmen verstärkt über den Bau von Regionallägern nachgedacht. Auch für die Logistik-Dienstleister stellt die aktuelle Entwicklung eine Herausforderung dar. Die alte Diskussion über die Vor- und Nachteile der Direkt- und HUB-Verkehre hat mit der Einführung der Maut neue Argumente erhalten. Diese dreht sich um die Frage, ob sich ein zentrales HUB rechnet, mehrere Regional-HUBs empfehlenswert oder Direktverkehre die günstigere Alternative sind.

Letzteres ist in vielen Fällen zweifellos der Fall. Nicht umsonst ist die Zahl der Direktverkehre bei vielen Unternehmen und Kooperationen meist weitaus höher als die der HUB-Verkehre. Ganz auf das HUB verzichten kann man dennoch nicht. Sendungsschwankungen aufgrund von Regionalfeiertagen oder Brückentagen sowie nicht planbare Spitzen lassen sich wirtschaftlich kaum durch weitere Direktverkehre auffangen. Bei besonderen Kundenaktionen oder dem verstärkten Versand z.B. von Fahrrädern oder Gartenmöbeln bei einsetzendem schönen Wetter bietet sich der Weg über ein nicht mengenmäßig reglementiertes HUB als wirkungsvolle Ergänzung zu bestehenden Direktverkehren an.

Interessant sind hierbei vor allem Kombitouren, bei denen einzelne Direktverkehrseinheiten mit HUB-Einheiten kombiniert werden. So kann dem Eingangsbetrieb die Zustellung beider Einheiten innerhalb der vereinbarten Zeitfenster angeboten werden – ein Angebot, das vor allem für Kooperationen interessant ist. Weiterer Vorteil der Kombitouren ist der wirtschaftliche Aspekt, da sich eine zusätzliche Direktlinie für nur eine weitere Wechselbrücke nicht rechnet. Für den HUB-Verkehr innerhalb von Kooperationen spricht zudem die konstant hohe Auslastung der Lkw auf Wechselbrückenebene von deutlich über 90 Prozent und den sich daraus resultierenden Einsatz von möglichst wenig Fahrzeugen.

Voraussetzung dafür ist ein ausgeklügeltes Transportmanagement, das die zuverlässige und pünktliche Zustellung aller Relationen ab HUB sicherstellt. Dieses beinhaltet naturgemäß die Festschreibung der Ankunftszeiten und Abfahrtzeiten am HUB sowie verbindliche Zeiten für die Zustellung.

Werden die Sendungs- und Fahrzeugdaten im Vorfeld per DFÜ ausgetauscht, lassen sich die HUB-Verkehre inklusive der Kombitouren optimal planen. Dabei kann aufgrund des regelmäßigen Datenaustauschs zeitnah auf sich abzeichnende Sendungsspitzen reagiert werden. Um den reibungslosen Ablauf und – wenn nötig – proaktives Handeln bei Abweichungen sicherzustellen, bietet sich für Kooperationen die Zusammenarbeit mit einem Netzwerkdienstleister an, der die Disposition der Verkehre vom HUB zum Empfangsbetrieb übernimmt.

Bei dieser DV-gestützten Netzwerkplanung auf Wechselbrückenbasis werden u.a. Transportaufträge (ein Transportauftrag = eine Wechselbrücke) aus der Strecke zum HUB, sowohl mit den Aufträgen der HUB-Entsorgung als auch mit diversen weiteren Direktverkehrsaufträgen vernetzt. Es entsteht ein äußerst effizientes und qualitativ hochwertiges Liniennetzwerk mit nachhaltigen Vorteilen für alle Beteiligten. So wird beispielsweise durch die zeitnahe Nutzung der ausgehenden und konsolidierten Fahrzeugressourcen auf Wechselbrückenbasis die pauschale Vorhaltung von kostenintensiven „standby-Lkw“ erheblich reduziert. Funktionieren kann dieses System jedoch nur, wenn sich alle Beteiligten konsequent an die vereinbarten Termine halten.

Die Garantie der zuverlässigen Einhaltung der Abfahrtszeiten geht dabei optimalerweise mit einer festgelegten Transportkostenstruktur einher. Diese kann innerhalb einer Kooperation beispielsweise auf Basis von Festpreisen für die benötigte Anzahl von Wechselbrücken sowie eines festen Preises für den Überhangzug auf der jeweiligen Relation erfolgen.

Die Frage HUB oder Direktverkehr lässt sich also weiterhin nur mit einem „sowohl als auch“ beantworten – unabhängig davon, ob sie von einer Kooperation oder einem Logistik-Dienstleister mit mehreren Niederlassungen gestellt wird. Optimale Ergebnisse werden in beiden Fällen nur durch die Kombination der zur Verfügung stehenden Wege erzielt.

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