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15.01.2010

Einmal quer durch die Republik


Stückgut: Die 24-Stunden-Zustellung ist inzwischen Standard. trans aktuell hat eine Sendung innerhalb des Netzwerks System Alliance begleitet und dokumentiert, wie viele Leute es braucht, um die Ware ans Ziel zu bringen.

Es ist 11.30 Uhr auf dem Betriebshof der Spedition Diehl in Esslingen. Gerd Berg macht sich und sein Fahrzeug für die Abfahrt bereit. Handy eingesteckt und los geht es Richtung Schwäbisch Gmünd. Das Ziel:

ein Werk des Automobilzulieferers Mahle in Lorch. Abzuholen sind laut den Papieren zwei Packstücke mit insgesamt 324 Kilogramm, die zum Automobilzulieferer Kayser im niedersächsischen Einbeck müssen. Laut Pkw- Routenplaner eine Distanz von rund 450 Kilometern.

 



In Lorch muss Berg warten, bis die Mitarbeiter des Wareneingangs ihre Mittagspause beenden. In der  Abfertigungshalle ist zumindest der Wind nicht so schneidend wie draußen. Um 12.30 Uhr schließlich  werden die Frachtpapiere übergeben. Kurz darauf kommt der  Gabelstaplerfahrer um die Ecke gebraust und verlädt die Sendungen in den Auflieger von Berg, der die beiden übereinandergestapelten Paletten mit der Ameise an den richtigen Platz bugsiert und die Ladung sichert. Zurück zum Betriebsgelände von Diehl am Neckarufer. Draußen tanzen Schneeflocken in der Luft, drinnen surren die Mitarbeiter mit ihren Flurförderzeugen wie über  unsichtbare Schienen geleitet von Tor zu Tor. Nach dem Abladen übernimmt ein Lagermitarbeiter die Sendung und stellt sie am Ausliefertor 67 bereit, an dem sich die Waren sammeln, die für das Hub der Stückgutkooperation System Alliance in Niederaula bestimmt sind. Diehl ist einer von  zehn Gesellschaftern des Netzwerkes, das seinen Zentralumschlag im hessischen Niederaula  hat. Um 15 Uhr zieht Verlademeister Heinz Steinmaier seine Jacke fester zu und  beginnt mit  der Verladung. Er überprüft und scannt jedes einzelne Packstück – in der System Alliance sind  Barcodes auf der Sendung Pflicht. Unter den Sendungen sind auch einige Paletten mit  temperaturempfindlicher Ware. Ein kurzer Anruf im Leitstand, gleich darauf  bollert das  Temperaturaggregat in der Thermobrücke los, um den kälteempfindlichen Waren einen gemütlich- warmen Transport zu garantieren. Die Paletten werden erst kurz vor der Verladung aus dem  beheizten Lager im ersten Stock des Umschlaggebäudes an das Ausgangstor gebracht und von  Steinmaier mit entsprechenden Aufklebern versehen. So können die Kollegen beim Abladen in  Niederaula die empfindliche Ware gleich erkennen und gesondert in Empfang nehmen. Aber bis dahin ist es noch lange hin. Um 15.40 Uhr schließt Steinmaier die Beladung ab. 17 Paletten sind an Bord – außer der für Kayser auch zahlreiche Sendungen für das gesamte Bundesgebiet sowie  eine Palette Lautsprecher mit Ziel Belgien und eine schwarz gestretchte Palette für Finnland, die  ab Niederaula mit System Plus weiterverschickt werden. Fahrer Wolfgang Mehrle hat noch Zeit für eine Zigarette, ehe er die Frachtpapiere für den Transport ausgehändigt bekommt und um 16 Uhr startet. Für das Transportunternehmen Gundlaff fährt er im Auftrag der Esslinger das Diehl- Umschlaglager Untermünkheim in der Region Hohenlohe an. Ein kurzer Blick auf die Papiere: »Fünf Tonnen auf dem Hänger, dreieinhalb auf der Maschine.« Heißt, Fahrweise darauf einstellen.  Über die  B 14 geht es durch die Region Schwäbisch-Fränkischer Wald nach Untermünkheim. Trotz dichtem Feierabendverkehr geht es zügig voran. In einer kleinen Ortschaft stoppt der Verkehr. Als es wieder  weitergeht, wartet Mehrle einen Augenblick mit dem Anfahren und winkt abbiegende Fahrzeuge vor sich vorbei. »Ich kenne ja die Strecke, die Abbiegespur ist immer total voll, weil niemand die Abbieger   vorbeilässt.« Kavalier der Straße. In Untermünkheim wartet wie jeden Abend Lothar Sinning auf die Ankunft von Mehrle. Sinning ist seit 31 Jahren Lkw-Fahrer und fährt für sein Unternehmen Linnemann  & Kister aus dem hessischen Kirchheim die Nachttour zwischen dem Diehl-Hub Untermünkheim und dem von System Alliance in Niederaula. In seiner Mütze sind kleine LED-Leuchten integriert –  praktisch für das Ab- und Aufbrücken in der Dunkelheit. Kurz vor 18 Uhr hat er den Wechselkoffer aus Esslingen aufgebrückt, dann ist der zweite Behälter dran, der in Untermünkeim bestückt wurde und ebenfalls für Niederaula bestimmt ist. Mit seinem neuen Actros schwenkt er zunächst auf die A 6  Richtung Nürnberg, dann auf die A 7 Richtung Kassel. Wetter- und Verkehrslage sind gut. Um den  Spritverbrauch im Rahmen zu halten, fährt er sein Fahrzeug mit guten 80 Stundenkilometern: »Wenn  ich volle Pulle fahren würde, würde ich gleich mal 20 Liter mehr für die Strecke brauchen.«  Über die Mainbrücke geht es vorbei an Würzburg – »Ich liebe es, die Lichter der Stadt zu sehen« –, bei Bad  Brückenau den »Berg der Wahrheit« hinauf und durch die Rhön. Kurz vor 22 Uhr dann die Abfahrt 89  Niederaula. Der Standort in der Mitte Deutschlands dient zahlreichen Logistikern und Kep- Unternehmen als Umschlagbasis, trotz der späten Stunde ist entsprechend viel los auf den Straßen.  An der Pforte von System Alliance geht es trotzdem fix. Sinning zeigt die Frachtpapiere für die zwei  Wechselbrücken, deren Plomben zusätzlich vom Pförtner überprüft und gescannt  werden. Dann fährt  er zum Abbrücken zum Abladetor. Jede Sendung durchläuft zunächst die Eingangs-Scannung.  »Die Scanner übermitteln die Barcode-Daten über eine Transponder-Technologie an unseren zentralen Server«, berichtet System-Alliance-Geschäftsführer Georg Köhler. Wenn die Mitarbeiter Informationen zu der Sendung benötigen, müssen sie nur die Barcodenummer eingeben, damit sie die Sendung auf den entsprechenden Kontrollmonitoren angezeigt bekommen. Sollte eine Sendung also  mal nicht an dem Verladetor auftauchen, für das sie bestimmt ist, kann der Weg der Palette ab dem  Entladetor mittels Videoaufzeichnung nachverfolgt werden. »Dafür sind in der ganzen Halle 144  Kameras installiert, auf dem Freigelände befinden sich weitere 33 Kameras«, sagt Köhler. Für die Systemzentrale eine beträchtliche Investition von rund 300.000 Euro, meint der Geschäftsführer stolz.  Anschließend werden die Sendungen markiert. »Wir haben die Umschlaghalle in Farbcodes unterteilt  und die Ziffernfolge weist auf das Tor hin, an dem die Sendungen geladen werden«, berichtet Beate  Müller, die für die Betriebsleitung des Hubs verantwortlich ist. »Rot heißt beispielsweise, dass die Sendung in die rechte Hallenhälfte muss, die Zahl 3055 bedeutet Raben in Wuppertal als Zielspediteur. « Nur wenige Sekunden nach der Scannung durch Ellen Schairer kommt ein Kollege mit einem E-Hubwagen und verbringt die Sendung an das richtige Tor. Einzelne Colli kommen in die Colli- Sortieranlage und werden entsprechend der Zielrelation auf Paletten gebündelt. Es herrscht  geschäftige Betriebsamkeit – bis zu 1.200 Packstücke pro Stunde werden in der Kernzeit  umgeschlagen. Inzwischen ist es 1.40 Uhr. Die Sendung aus Lorch ist in eine weitere Brücke verladen  worden. Das Ziel: der System-Alliance-Partner Zufall in Göttingen. Während Fahrer Sergej Elenberger von der Firma Scharf Transport aus Lohfelden sein Fahrzeug von Tor 9 wegbewegt,  werden drinnen in der Umschlaghalle bereits die Besen geschwungen – das Gröbste ist diese Nacht vorbei. Bei der Ausfahrt vom System-Alliance-Gelände werden nochmals die Relation und die   Wechselbrückennummern geprüft und die Plombe gescannt. Dann geht es auf die A 7, die um diese  Uhrzeit den Lkw fast allein gehört. Die Tour zu Zufall ist kurz: Bereits um 3.30 Uhr biegt er auf das  Betriebsgelände der Göttinger Spedition ein. Der zuständige Rangierer ruft ihm aus dem Fahrzeugfenster zu, an welchen der 110 Tore er die Brücken abstellen soll und welche  leeren Wechselbrücken er wieder aufnehmen muss. Danach geht es in die Disposition. Während Elenberger seine Ankunft quittieren lässt und auf die neuen Auftragspapiere wartet, wird die Sendung  aus Baden-Württemberg bereits entladen. Gegen 6.30 Uhr beginnt Ulf Schoen vom Zufall-Partner  Winieke-Transporte aus Bovenden mit der Verladung der Sendungen, die nach Einbeck und  Umgebung müssen, etwa 30 Kilometer nördlich von Göttingen. Wieder werden alle Sendungen  ordnungsgemäß eingescannt, die Ladungssicherung überprüft, die Frachtbriefe eingepackt.  Auf der B 3 geht es im Berufsverkehr nach Einbeck. Ein ganzer Hänger voll ist für das Werk 2 von  Kayser bestimmt. Den wird Schoen dalassen und am Nachmittag von Kayser frisch beladen wieder  mitnehmen. Zunächst ist aber die Mahle-Sendung bei Werk 1 abzuladen, in dem Aktivkohlefilter für  Fahrzeughersteller produziert werden. Um 8.35 Uhr quittiert Frank Leszner-Schminke, bei Kayser  verantwortlich für den Wareneingang und die Materialbereitstellung, den Sendungsempfang. Kollege Andreas Martin ist inzwischen schon mit dem Gabelstapler dabei, die Palette vom Fahrzeug  abzuladen. Nach vielen Kilometer Wegstrecke, dem Handling durch zahlreiche Personen und nicht einmal 24 Stunden nach der Abholung ist die Sendung angekommen. 

 

 


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